Denkschubser   |   

Der eigene Vorteil verfälscht das Urteil vollständig.    Arthur Schopenhauer

27.06.2017

Meldung

11.01.2017: Querschiesser: Wann kommt der Werks-Schrauber?

Aufgabenteilung in Gefahr

Hans-Arno Kloep ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung Querschiesser. Die Firma ist spezialisiert auf Trendprognosen für den deutschen SHK-Markt. Bild: Querschiesser Unternehmensberatung GmbH & Co. KG

Die gute Geschäftsla­ge setzt mittelfristig die klassische und bewährte Aufgabenteilung von Handwerk, Handel und Hersteller im dreistufigen Vertrieb unter Druck. Der „zertifizierte Werks-Schrauber“ sei nicht mehr allzu fern, vermutet Hans-Arno Kloep. Diese Entwicklung könnte auch das hohe Qualifizierungs- und Ausbildungsniveau der Branche in Mitleidenschaft ziehen und aushöhlen. Denn SHK- Meister werde die Industrie nicht benötigen, sagt er.
Zu diesen und weiteren provokanten Thesen hat SBZ- Chefredakteur Dennis Jäger mit ihm gesprochen.

SBZ: Na, Herr Kloep, treiben Sie mit Ihrer These zum Schwund der Aufgabenteilung eine neue Sau durchs SHK-Dorf?

Hans-Arno Kloep: Tja, Herr Jäger, man könn­te meinen, dass Klappern nicht nur zum Handwerk gehört, sondern auch zu seinen Beratern. Aber ich habe meiner Einschätzung nach eine bezwingende Logik entwickelt, die auf einen ansteigenden Druck auf die klassi­sche Aufgabenteilung hinweist. Für die Un­gläubigen habe ich eine schlechte Nachricht, meine These basiert auf verfügbaren und nachvollziehbaren Daten.

SBZ: Um welche Zahlen handelt es sich?

Kloep:
Ich habe einfach einmal Zahlen von Bundesamt für Statistik, dem ZVSHK, dem BDH und aus unseren Handwerkerinterviews in einen Zusammenhang gesetzt. Die verfüg­baren Zahlen weisen darauf hin, dass wir in den nächsten 20 Jahren, wenn nicht irgend­eine Riesenkrise über uns hereinbricht, im SHK-Handwerk eine dauerhaft höhere Nach­frage haben werden, demgegenüber gerin­gere Montagekapazitäten stehen. Der Perso­nalmangel im Handwerk wird für die SHK-Industrie dann zum spürbaren Engpass auf dem Weg zum Kunden. Meine Befürchtung: Irgendwann wechseln die Hersteller dann auf die Überholspur. Sie wickeln Aufträge selbst ab, wo man zum Bäder- und Heizungsschrauben keinen Branchenfachmann benö­tigt, sondern ein ,zertifizierter Werks-Schrau­ber' ausreichen wird.

SBZ: Können Sie das einmal im Detail dar­legen?

Kloep: Okay, fangen wir vorne an. Vom ZVSHK und Querschiesser gibt es aus ge­trennten Quellen ähnliche Schätzung über die Anzahl der Monteure in der deutschen SHK-Branche. Der Wert liegt irgendwo zwi­schen 330.000 und 350.000 Personen. Ebenfalls aus unterschiedlichen Quellen schätzen beide Organisationen die Vertei­lung der Montagekapazitäten auf ungefähr 42% bis 45% Sanitär, 42 bis 45 % Heizung und den Rest auf Elektro und/oder andere Gewerke. Multipliziert man die Gesamtzahl der Monteure mit der Gewerkverteilung, kommt man zur Einsicht, dass ca. 150.000 Monteure mit dem Installieren von Bädern betraut sind, ca. 150.000 Monteure Hei­zungsanlagen montieren und der Rest den Rest schraubt.

SBZ: Aha, wie geht's weiter?

Kloep: Es geht weiter mit einer Kombination einer Zahl aus der Bundestatistik mit einer Zahl aus dem ZVSHK. Das Bundesamt für Statistik hat eine Berechnung veröffentlicht, die zeigt, dass wir bis zum Jahr 2030 einen Bedarf von ca. sieben Millionen barrierefrei­en Bädern erwarten können, die sich nur aus dem demografischen Wandel ergeben. Da ist jetzt noch kein ,Schöner-Wohnen-Bad' oder ,Flucht-in-Betongold-Bad' dabei. Die kommen oben drauf. Gleichzeitig kommuni­ziert der ZVSHK als Montagevolumen der Branche eine Menge von 500.000 Bädern. Wenden wir jetzt einmal Bauern-Algebra an, entspricht das aktuelle Montagepotenzial der sicheren Nachfrage der nächsten 14 Jah­re. Das bedeutet, dass mindestens 150.000 Monteure der Branche mit Badbau sicher be­legt sein werden.

SBZ: Sanitärinstallateur ist ein ziemlich si­cherer Job, das wissen wir doch.

Kloep: Ja, das sagen wir seit Jahren. Das SHK- Handwerk müsste viel mehr damit werben, dass die zukünftigen Geschäftschancen ext­rem gut sind. Eigentlich ist es schade, dass die jungen Leute in die Montagehallen der Großindustrie rennen, wo sie irgendwann wegrationalisiert werden. Aber wer sich selbst als ,Gas-Wasser-Scheiße' bezeichnet, versaut sich natürlich auch seinen Attraktivi­tätswert.

SBZ: Da ist Wahres dran, aber kehren wir zurück zum eigentlichen Thema.

Kloep: Gerne! Machen wir weiter mit der Heizungsseite im SHK-Handwerk. Der BDH und auch die Politik weisen darauf hin, dass wir unsere Klimaschutzziele nur erreichen werden, wenn wir die jährliche Renovations­quote alter Heizungsanlage verdoppeln. Wir sollten also im Heizungsmarkt ca. 1.2 Millio­nen statt 660.000 Anlage pro Jahr tauschen/ montieren. Unter unveränderten Bedingun­gen müssten wir also ca. 150.000 zusätzliche Heizungsmonteure in die Branche ziehen, damit wir die notwendige Renovierungsquo­te schaffen.

SBZ: Das ist aber unter den aktuellen Be­dingungen nicht zu erreichen.

Kloep: Genau! Die ZVSHK-Zahlen zeigen, dass wir mehr oder weniger in der Zahl der Monteure stagnieren. Eine Verdopplung der Anzahl der Heizungsmonteure ist völlig illu­sorisch. So werden wir nicht an die notwen­digen Montagekapazitäten kommen. Wir werden innerhalb der Branche Alternativen suchen müssen, denn die Nachfrage von Sei­ten der Verbraucher wird ja vorhanden sein und will bedient werden.

SBZ: Was werden die Alternativen sein?

Kloep: Ein paar Wege kann man heute schon erkennen. Die Hersteller beraten die Hand­werker im Rahmen ihrer Partnersysteme im Bereich betrieblicher Organisation oder sie übernehmen für die Handwerker Arbeiten, die für diese zu wenig attraktiv, zu risikobe­haftet oder wirtschaftlich uninteressant sind. Das ist alles ganz nett und partnerschaftlich, dehnt auch ein wenig die Kapazitäten im Handwerk aus, wird aber als Problemlösung nicht reichen. Wir schätzen, dass so höchs­tens ein Drittel der erforderlichen Kapazitä­ten geschaffen werden können. Will die Industrie an die unversorgten Aufträge heran­kommen, muss sie neue Wege gehen.

SBZ: Glauben Sie wirklich, die Hersteller montieren selbst?

Kloep: Kann sein, muss aber nicht. Erst kommt es anders: Das Unterstützungsange­bot der Hersteller wird sich erst einmal auf das einfache Massengeschäft des Handwer­kers richten. Man wird für den Handwerks­unternehmer jene Jobs erledigen, die dieser als lästige Routine betrachtet. Und hier liegt der Sprengstoff für die Aufgabenteilung. Ein SHK-Handwerker muss alles ,meistern', weil alle möglichen Aufgaben im Alltag vorkom­men. Er muss das entsprechend umfassende Know-how vorhalten, das verlangt nach gut ausgebildeten Mitarbeitern, vom Gesellen bis zum Meister. Ein zertifizierter Werks­Schrauber auf Seiten der Industrie muss nichts meistern, sondern nur eine bestimmte Anzahl von Handgriffen und Routinen be­herrschen.

SBZ: Sie meinen, dass die Werksmonteure Schmalspurhandwerker sein werden?

Kloep: Erst einmal nicht. Die Hersteller wer­den zuerst SHK-Monteure anwerben, um ih­ren Partnern im Handwerk Unterstützungs­kapazitäten anzubieten. Das wird Stress brin­gen. Hersteller, die offensichtlich dem SHK- Handwerk ungeniert Monteure abwerben, dürften nicht wirklich Freunde des SHK- Handwerks bleiben. Also werden die Herstel­ler mittelfristig andere Fachleute, Schlosser, Tischler, etc. anwerben und diese dann auf SHK umtrainieren.

SBZ: Das ist doch nicht Ihr ernst? Außerdem sind das doch Schmalspurhandwerker.

Kloep: Ja, mittelfristig dann schon, das ist aber unkritisch für die Hersteller: Diese wer­den ja erst einmal die einfachen, standar­disierbaren Jobs von den Handwerkern übernehmen. So ein zertifizierter Werks­Schrauber wird im Vergleich zum Hand­werksmeister zwar nur ein paar wenige Handgriffe beherrschen, diese aber perfekt und rasend schnell. Um einen standardisier­ten SHK-Job fehlerfrei zu erledigen, muss man eben keinen SHK-Meister einstellen, da kann man auch einen gescheiterten Maschinenbaustudenten von seinem Taxifah­rerjob befreien und ihn zum Werksmonteur trainieren.

SBZ: Jetzt erkenne ich, wohin ihre Argu­mentation geht. Sie erwarten, dass die In­dustrie die Aufgabenteilung zwischen Handwerk, Handel und Hersteller unterlau­fen wird? Und dass Meister nicht mehr sonderlich ge­fragt sein werden?

Kloep: Klares Ja! Der Druck wird ja ansteigen. Wir wer­den mehr Aufträge als Kapa­zitäten im Handwerk und in der Industrie haben. Wenn die Industrie expandieren und alle Chancen wahrnehmen will, muss sie zertifizierte Montagekapazitäten schaffen. Der Zertifizierungsgrad wird unterhalb der Meisterausbildung liegen, weil man eben nur standardisierte Jobs erledigt. Da ist es dann am Ende egal, ob der Bedarf an SHK- Meister kippt, weil die EU auf das deutsche Handwerk Druck ausübt, wie im Fließenge­werk geschehen. Oder ob die SHK-Hersteller eine Zulassung für ihre teilausgebildeten Werksschrauber anstreben werden.

SBZ: Angenommen, Ihre Prognose träfe zu: Was empfehlen Sie dem Handwerk?

Kloep: Das SHK-Handwerk sollte das tun, was die Industrie tun würde: Die Prozesse straffen und standardisieren und Qualifikati­onen und das Wissensniveau im Betrieb schichten.

SBZ: Herr Kloep, besten Dank für das inter­essante Gespräch.

Ihre Meinung

Was sagen Sie? Behält Hans-Arno Kloep Recht und teilausgebildete Werks-Schrauber erledigen einfache Aufträge und unterwandern das SHK-Ausbildungsniveau? Oder be­hauptet sich die klassische Aufga­benteilung im dreistufigen Vertrieb trotz bester Auftragslage und Nach­wuchsmangel? Oder kommt alles gar ganz anders? Schreiben Sie uns, wir sind auf Ihre Reaktionen ge­spannt. leserforumsbz-online.de

Quelle: SBZ 01/02-17

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